Kommunen machen Klima
Klimaschutzportal als regionale Info-Plattform
Wie ist die Idee für das regionale Klimaschutzportal entstanden?
Jasmin Lemler: Wir kannten bereits ähnliche Portale aus anderen Regionen und fanden diesen Ansatz sehr überzeugend – insbesondere, um die eigene Arbeit sichtbar zu machen. Uns war wichtig, ein gemeinsames Portal für alle Verbandsgemeinden und den Kreis zu schaffen. Das ist nicht nur für die Verwaltungen hilfreich, sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger, die so auf einen Blick sehen können, was im gesamten Rhein-Lahn-Kreis im Bereich Klimaschutz passiert. Ein Klimaschutzportal eignet sich sehr gut, um die Potenziale der eigenen Region und den Stand des Klimaschutzes sichtbar zu machen. Daher haben wir uns bei der Energie- und Klimaschutzagentur RLP um eines der vier Portale im Rahmen des kommunalen Klimapaktes (KKP) beworben und waren erfolgreich.
Welche Hauptfunktionen bietet das Portal?
Jasmin Lemler: Ein wesentlicher Bestandteil sind die Treibhausgasbilanzen, die einen Überblick über die ausgestoßenen Treibhausgase der letzten Jahre geben. Sehr gut angenommen wird auch der Fördermittelfinder, der übersichtlich nach Zielgruppen wie Unternehmen oder Bürgerinnen und Bürgern gegliedert ist. Zudem gibt es Infos über verschiedene Klimaschutzaktivitäten und eine Kalenderfunktion, in der Veranstaltungen rund um das Thema Klimaschutz gebündelt dargestellt werden. Perspektivisch ist auch eine eigene Seite zum Dorferneuerungsprogramm geplant, um dieses gezielt zu bewerben.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Portal?
Jasmin Lemler: Das Hauptziel ist ganz klar Information. Langfristig wünschen wir uns mehr Interaktivität, etwa durch Umfragen oder Beteiligungsformate. Wir haben viele Ideen und es gibt tolle Möglichkeiten. Die Umsetzung hängt jedoch stark von den personellen Ressourcen ab. Deshalb entwickeln wir das Portal Schritt für Schritt weiter. Im Rahmen der kommunalen Klimaoffensive des Landes Rheinland-Pfalz ist das Portal eine wertvolle Unterstützung.
Haben Sie Unterstützung bei der Pflege des Portals?
Jasmin Lemler: Die Verbandsgemeinden schicken uns Infos und Niklas Stanjek, der Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Aar-Einrich, kümmert sich gemeinsam mit mir redaktionell um das Portal. Außerdem hat die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz das Projekt mit initiiert und eine große Vorarbeit geleistet, etwa beim Seitenaufbau. Sie hat uns auch bei der ersten Befüllung unterstützt und erklärt, wie das System funktioniert. Zudem übernimmt sie die technische Betreuung und Weiterentwicklung. Besonders wertvoll sind die regelmäßigen Austauschtreffen, bei denen man von den Erfahrungen anderer Regionen profitieren kann.
Welche klimabezogenen Herausforderungen sind in Ihrer Region besonders relevant?
Jasmin Lemler: Ein zentrales Thema ist Information – also die Frage, wie wir die Bürgerinnen und Bürger gut erreichen und mitnehmen können. Zum Beispiel ist dafür die Kalenderfunktion ein wichtiges Instrument, weil sie alle relevanten Veranstaltungen im gesamten Kreisgebiet übersichtlich zusammenführt.
Was waren bisher die größten Hürden beim Aufbau und Betrieb des Portals?
Jasmin Lemler: Ganz klar die personelle Situation. Technisch ist das Portal gut zu bedienen, sobald man sich eingearbeitet hat. Anfangs gab es kleinere Herausforderungen, etwa bei der Bildnutzung, die inzwischen gelöst sind. Wichtig ist eine gute Projektplanung und das Bewusstsein, dass Aufbau und Pflege Zeit erfordern – das lässt sich nicht nebenbei erledigen.
Welche Funktionen möchten Sie in Zukunft ergänzen?
Jasmin Lemler: Geplant ist unter anderem eine Seite zu Klimaschutzpatinnen und -paten. Außerdem starten wir im Herbst mit dem Thema Klimaanpassung, das ebenfalls in das Portal integriert werden soll. Darüber hinaus möchten wir bestehende Projekte sichtbar machen, etwa Nahwärmenetze oder Anlagen zur erneuerbaren Energieerzeugung, sofern entsprechende Daten verfügbar sind.
Wie sehen Sie die Rolle des Portals in fünf bis zehn Jahren?
Jasmin Lemler: Idealerweise ist es dann ein aktives Portal, auf dem Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen einbringen und sich austauschen können. Best-Practice-Beispiele sollen zeigen, was in der Region bereits gut funktioniert – auch im ehrenamtlichen Bereich. Wichtig ist uns vor allem Aktualität, damit sichtbar wird, dass Bewegung im Klimaschutz ist. Ein langfristiges Ziel wäre außerdem ein Monitor, der darstellt, wie viel erneuerbare Energie aktuell in der Region erzeugt wird.
Was wünschen Sie sich von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für mehr regionalen Klimaschutz?
Jasmin Lemler: Vor allem, gehört zu werden. Der Klimawandel ist wissenschaftlich eindeutig belegt. Dieses Wissen muss stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein und in politische sowie wirtschaftliche Entscheidungen einfließen. Es reicht nicht, nur über Anpassung zu sprechen – konsequenter Klimaschutz ist notwendig, um die Folgen zu begrenzen. Die Vorstellung, dass sich alles von selbst anpassen wird, greift zu kurz.
