Pressemeldung
Ehrenamt nicht gefährden! Kommunale Selbstverwaltung braucht neue Perspektiven.
Doch dieses Fundament gerät ins Wanken. Eine aktuelle repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung unter 1.705 ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern zeigt eine alarmierende Entwicklung: Nur noch 33 Prozent sind mit ihren Gestaltungsspielräumen zufrieden – ein deutlicher Rückgang gegenüber 2024. Gleichzeitig verbringen 69 Prozent mehr als die Hälfte ihrer Zeit mit Verwaltungsaufgaben. Statt zu gestalten, müssen sie verwalten. Das Ehrenamt droht dadurch an Attraktivität zu verlieren“, warnt der Vorsitzende des Gemeinde- und Städtebundes sowie Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Bürgermeister Ralph Spiegler heute im Rahmen der Veranstaltung des Bundespräsidenten „Zukunft möglich machen“ im Schloss Bellevue.
Zwar planen noch 44 Prozent, bei der nächsten Wahl erneut zu kandidieren – doch 72 Prozent erwarten bereits ein Nachwuchsproblem in ihrer Kommune. Immer schwerer finden sich Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Hinzu kommt die angespannte Finanzlage. 70 Prozent bewerten die finanzielle Situation ihrer Kommune als schlecht oder sehr schlecht. Fehlende Haushaltsmittel gelten für 88 Prozent als größte Herausforderung der kommenden Jahre. Damit geraten Handlungsspielräume weiter unter Druck – und mit ihnen das Vertrauen in politische Gestaltungskraft vor Ort.
„Wer als Ortsbürgermeisterin, Ortsbürgermeister sich für die eigene Gemeinde einbringt, möchte auch gestalten. Das gelingt aber nur, wenn auch die entsprechenden Handlungsspielräume vorhanden sind. Wer kaum gestalten kann, stattdessen in Bürokratie gebunden ist und wachsende finanzielle Engpässe verantworten muss, braucht eine große Frustrationstoleranz“, so Spiegler weiter.
„Ehrenamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister stehen für Bürgernähe, Pragmatismus und demokratischen Ausgleich. 92 Prozent berichten von einem hohen Vertrauen der Bevölkerung in Gemeinderat und Verwaltung. Diese Stärke darf nicht verspielt werden. Wenn diejenigen, die vor Ort Verantwortung übernehmen, zunehmend überlastet und in ihrer Gestaltungskraft eingeschränkt werden, ist das nicht nur ein Problem der Kommunen – es ist ein Problem für unsere Demokratie insgesamt. Die Ergebnisse sind daher ein klarer Handlungsauftrag: Kommunale Selbstverwaltung braucht neue Perspektiven.
Weniger Bürokratie, verlässliche Finanzen und bessere Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement sind Voraussetzung dafür, dass auch künftig engagierte Persönlichkeiten bereit sind, dieses anspruchsvolle Amt zu übernehmen. Wer das Ehrenamt stärkt, stärkt die Demokratie“, so Spiegler abschließend.
Pressemeldung des Gemeinde- und Städtebundes RP vom 03.03.2026
