Kommunen machen Klima
Ein Dorf packt an: Imsweiler entwickelt Ideen für eine nachhaltige Zukunft
Die rund 550 Einwohner zählende Ortsgemeinde hat im Juni 2025 die Bürgerstiftung Imsweiler gegründet. Sie soll Menschen, Ideen und finanzielle Mittel zusammenbringen und damit Projekte ermöglichen, die den Ort langfristig lebens- und liebenswert halten.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Ausgangspunkt für die Initiative ist eine Situation, die viele Kommunen kennen: Die Anforderungen an Gemeinden wachsen, gleichzeitig sind die finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Dennoch müssen heute Entscheidungen getroffen werden, die den Ort zukunftsfähig machen. In Imsweiler beschlossen engagierte Bürgerinnen und Bürger deshalb, selbst aktiv zu werden und eine Struktur zu schaffen, in der Ideen, ehrenamtliches Engagement und finanzielle Unterstützung zusammenfinden.
„Wir wollten nicht darauf warten, dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen irgendwann verbessern. Wir wollten selbst Verantwortung übernehmen und zeigen, dass wir unsere Zukunft im Ort mitgestalten können“, sagt Udo Schönenberger, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerstiftung Imsweiler. „Genau dieses Gefühl, gemeinsam etwas bewegen zu können, ist für einen kleinen Ort wie Imsweiler enorm wichtig.“
Die Bürgerstiftung wurde unter dem Dach der Bürgerstiftung Pfalz gegründet. Ein ehrenamtlicher Vorstand und ein siebenköpfiges Kuratorium übernehmen die Verantwortung. Die Stiftung versteht sich als Rahmen für bürgerschaftliches Engagement. Sie soll Ideen bündeln, Mittel einwerben und gemeinnützige Projekte im Ort unterstützen.
Vom Heimatdorf zum Zukunftsdorf
Nun will Imsweiler den nächsten Schritt gehen und sich zum Zukunftsdorf weiterentwickeln. Die Idee: Bürgerinnen und Bürger entwickeln Projekte gemeinsam, setzen sie um und tragen auch zur Finanzierung bei. Erträge aus solchen Projekten sollen möglichst im Dorf bleiben und wiederum den Zielen der Bürgerstiftung zugutekommen.
Mitmachen kann dabei grundsätzlich jeder – mit Zeit, Ideen oder Geld. So sollen nicht nur einzelne Projekte realisiert, sondern gleichzeitig Ehrenamt, Gemeinschaft und Zusammenhalt gestärkt werden.
Vier erste Projekte
Wie vielfältig eine solche Dorfentwicklung aussehen kann, zeigen die ersten Vorhaben, die derzeit geplant werden.
- Ein Rosengarten rund um den Glockenturm
Der alleinstehende Glockenturm gehört zu den Wahrzeichen von Imsweiler. Rund um den Turm soll ein ruhiger Ort der Begegnung und Erholung entstehen. Geplant sind unter anderem ein Rosengarten, kurze Wege, Sitzbänke, ein Pavillon und ein Brunnen. Eine alte Telefonzelle könnte als öffentlicher Bücherschrank genutzt werden. Die Finanzierung soll über Fördermittel, Spenden und Eigenleistungen erfolgen. Die Rosenbepflanzung soll eine private Initiative übernehmen. Das Grundstück soll von der protestantischen Kirchengemeinde Gundersweiler vertraglich an die Bürgerstiftung überlassen werden.
- Gemeinschafts- und Schulgarten
Am Ende der Schlossstraße steht ein Grundstück kostenlos für ein weiteres Projekt zur Verfügung. Dort soll ein biologisch bewirtschafteter Bauern- beziehungsweise Permagarten entstehen. Vorgesehen sind Obst und Gemüse, Hochbeete und möglicherweise ein Folientunnel. Ein Bauwagen könnte als Treffpunkt dienen, ein renoviertes Gartenhaus als Geräteschuppen. Bereits gespendete Obstbäume sollen das Konzept ergänzen. Eine besondere Rolle spielt die Verbindung von Dorfentwicklung und Bildung: Gemeinsam mit der Grundschule sollen Kinder eigene Beete bewirtschaften und dabei praktische Erfahrungen mit Natur, Anbau und nachhaltiger Lebensmittelproduktion sammeln.
- Nachhaltiges Mehrgenerationenquartier
Auch beim Wohnen möchte Imsweiler neue Wege denken. Statt eines großflächigen Neubaugebiets steht ein nachhaltiges Mehrgenerationenquartier mit bis zu zehn barrierefreien Wohneinheiten im Raum. Regionale Baustoffe, Photovoltaik, eine zentrale Wärmepumpenheizung und die Nutzung von Regenwasser sollen zu einer ressourcenschonenden Versorgung beitragen. Ein großer Teil des Areals könnte parkähnlich gestaltet werden – mit Grillplatz, Teich und Kleinsportfeld. Ergänzend sind Wohnmobilstellplätze, ein späterer Gemeinschaftsraum mit Küche und Freisitz sowie ein Raum für Erste-Hilfe-Angebote beziehungsweise medizinische Sprechstunden denkbar.
- Mitfahrerbänke und E-Ladesäulen
Außerdem steht die nachhaltige Mobilität mit auf dem Programm. Zwei bis drei Mitfahrerbänke könnten die Mobilität innerhalb des Ortes und darüber hinaus verbessern. Darüber hinaus sind ein bis zwei E-Ladesäulen an geeigneten Standorten im Gespräch, etwa an der Gemeindehalle, am Bahnhof oder im Dorfzentrum. Die Gemeinde könnte hierfür Flächen bereitstellen und gemeinsam mit geeigneten Anbietern nach Lösungen für Aufbau, Betrieb und Finanzierung suchen.
Mit kleinen Schritten viel bewegen
Die Pläne aus Imsweiler zeigen, dass nachhaltige Dorfentwicklung nicht zwangsläufig mit großen Investitionen beginnen muss. Entscheidend ist zunächst, Menschen zusammenzubringen, Ideen zu entwickeln und Verantwortung für den eigenen Ort zu übernehmen. Die Bürgerstiftung soll dafür den organisatorischen Rahmen schaffen. Die geplanten Projekte machen zugleich deutlich, wie unterschiedlich die Themen einer zukunftsfähigen Dorfentwicklung sein können: von Begegnung und Bildung über Wohnen und Energie bis hin zu Mobilität und Aufenthaltsqualität.
Damit könnte Imsweiler auch als Vorbild für andere kleine Kommunen interessant werden. Das Modell setzt nicht auf ein einzelnes Großprojekt, sondern auf viele Beteiligte, konkrete Ideen und schrittweise umsetzbare Vorhaben.
„Wir wollen zeigen, dass man nicht erst auf die perfekte Ausgangslage warten muss. Man kann mit dem anfangen, was da ist: mit engagierten Menschen, guten Ideen und der Bereitschaft, gemeinsam etwas für den eigenen Ort zu tun“, sagt Schönenberger.
