Im verschachtelten Schulgebäude wirkt hocheffiziente Technik


Dass es ein Schulgebäude sein sollte, an dem die Verbandsgemeinde Bodenheim modellhaft die Umsetzung des zuvor erarbeiteten Klimaschutzkonzeptes demonstrieren wollte, war eine ganz bewusste Entscheidung. Der praktizierte Klimaschutz der Verbandsgemeinde wurde so für viele sicht- und erlebbar: Eltern, Schüler, Lehrkräfte. Und die Grundschule am Alten Schloss ist zudem durch Veranstaltungen und Feiern so in den Gemeindealltag von Lörzweiler eingebunden, dass praktisch jeder der 2.300 Einwohner den Baufortschritt wahrnehmen konnte.

Anspruchsvolle Ziele hatten sich die Planer gesetzt. Der Primärenergieverbrauch sollte nach der Sanierung um bis zu 85 Prozent reduziert werden, die CO2-Einsparung der gesamten Grundschule mehr als 80 Prozent ausmachen. All das wurde erreicht – und zudem wird der zergliederte Gebäudekomplex seither immer wieder von Besuchergruppen aus anderen Verbandsgemeinden in Augenschein genommen. Denn in zwei Punkten gilt das Projekt als besonders vorbildlich: zum einen wegen der von Beginn an eingeplanten Gebäudeleittechnik und der damit verbundenen Möglichkeit des kontinuierlichen  Monitorings, zum anderen wegen der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. 

„Dabei spielt Corona heute natürlich eine besondere Rolle“, erläutert der Klimaschutzmanager, Markus Forschner. Das Virus war zum Zeitpunkt der Planung noch unbekannt. Aber, „dass eine wirklich gute Lüftung für eine Grundschule sehr wichtig ist, war uns von vornherein klar“, setzt er hinzu.

Die Umsetzung beeindruckt. Mit einem einzigen Knopfdruck können Lehrerinnen und Lehrer zum Ende ihrer Stunde die „Pausenlüftung“ einschalten, 15 Minuten quasi Stoßlüftung mit voller Kraft. Zusätzlichen Nutzen bietet die integrierte sommerliche Nachtkühlung; angesichts zunehmender Hitzetage gewinnt der Aspekt der Temperaturabsenkung in den Klassenräumen mehr und mehr an Bedeutung.


Die Lüftungsanlage


Die Lüftungsgeräte sind mit einem Enthalpie-Wärmetauscher ausgestattet und arbeiten mit einer Kanal-Gegenstrom-Wärmeübertragung mit einem maximalen Wärmebereitstellungsgrad von rund 80 Prozent und zusätzlicher Feuchte-Übertragung. Dies sichert ausreichende Frischluftzufuhr für die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler; es trägt zur Vermeidung von Schimmelbildung in den Räumen bei und vermindert die Ansteckungsgefahr in Pandemie-Zeiten. Die Einzelraumlüftungsgeräte verfügen über eine bedarfsgeführte Lüftungssteuerung mit Wochenzeitschaltuhr, einen CO2-Luftgütesensor und einen Pausenschalter, der einen maximalen Luftwechsel durch einen 100-Prozent-Luftvolumenstrom ermöglicht.

Sanierung schrittweise

Die Umgestaltung geschah in mehreren Schritten – und weitgehend während der Ferien, um den Schulbetrieb nicht unterbrechen zu müssen. Nur die Umstellung der Heizung von Gas auf Pellets ließ sich nach Ende der Heizperiode auch zu Schulzeiten erledigen.

Die bereits erwähnte Gebäudeleittechnik (GLT) mit Energiemonitoring bildete anfangs nur einen kleinen Teil der energetischen Sanierung. Später jedoch wurde sie – wie bei der Planung erwartet – eines der entscheidenden Arbeitsmittel für den Gebäudebetrieb und die Kontrolle des Energieverbrauchs mit der Ermittlung der CO2-Einsparung. Deshalb werden seither alle technischen Erneuerungen über die GLT gesteuert und im Energiemonitoring überwacht.

Eine permanente nutzerangepasste Nachregelung per Fernzugriff ist so möglich, Verbräuche lassen sich gegebenenfalls optimiert reduzieren. Aktuelle Verbrauchsdaten, minutengenau geliefert, sind dafür unabdingbar.

Weniger Treibhausgas, mehr Komfort

An dem in den Sommerferien 2018 begonnenen Sanierungsprojekt hat nicht erst seit dessen Fertigstellung 31.07.2020 auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Dr. Robert Scheurer, seine besondere Freude: „Die Grundschule Am Alten Schloss ist über die Jahre mit den Bedürfnissen mitgewachsen. Daher war klar, dass energetisch viel nachzuholen ist. Dass unser Modellprojekt nun so gut gelungen ist, dass es dem Kollegium wie den Kindern ein tolles Lernumfeld bietet und noch dazu als landesweites Vorzeigeobjekt dient, macht mich glücklich und stolz zugleich.“

Nach speziellen Herausforderungen gefragt, verweist Klimaschutzmanager Forschner auf die vorhandene Bausubstanz: „Gewachsene Strukturen, vielfach an- und umgebaut. Darin hocheffiziente Technik unterzubringen, ist eine komplexe Aufgabe. Aber genau das ist uns gelungen – und den Komfort konnten wir dabei auch erheblich steigern.“

Ansprechpartner bei der Verbandsgemeinde Bodenheim ist Klimaschutzmanager M. Eng. Markus Forschner, Tel.: (06135) 72-125, Fax: (06135) 72-263, E-Mail: klimaschutz@vg-bodenheim.de.

Bilder:
Von außen ist die Sanierung des verschachtelten Schulgebäudes leicht wahrzunehmen (Artikelbild). Den Zustand davor zeigt das Bild im Text. Die besondere Qualität des Sanierungsprojektes steckt jedoch in der Technik. Quelle: Verbandsgemeinde Bodenheim