Klimaschutz verständlich und erlebbar machen – Klima-Radtour in Bingen verbindet Wissenschaft, Praxis und Austausch

Die rund dreistündige geführte Radtour führte die Teilnehmenden zu verschiedenen Stationen in der Stadt, an denen aktuelle Projekte zu erneuerbaren Energien, effizienter Wärmeversorgung und privater Stromerzeugung vorgestellt wurden. Die Klimaradtour in Bingen zeigt beispielhaft, wie kommunaler Klimaschutz erfolgreich vermittelt werden kann, wenn er nicht abstrakt erklärt, sondern vor Ort erlebbar gemacht wird.

Die Binger Klimaschutzmanagerin Lisa Christmann betont: „Wichtig war mir als Klimaschutzmanagerin von Anfang an, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und Transparenz zu schaffen. Da die Stationen mehrere Kilometer auseinander lagen, war das Fahrrad als Verkehrsmittel die naheliegende und praktische Wahl. Und das hat wiederum den schönen Nebeneffekt, dass man vielleicht auch mal neue Radwege kennenlernt und das Erlebnis die Motivation zum Radeln auch im Alltag stärkt“.

Konkrete Projekt im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der geführten Radtour stand das gemeinsame Erleben konkreter Projekte. 16 Bürger nutzten die Gelegenheit, sich direkt bei Fachleuten, Forschenden und engagierten Praktikern über aktuelle Entwicklungen im Bereich erneuerbarer Energien, effizienter Wärmeversorgung und privater Stromerzeugung zu informieren. Die durchweg positive Resonanz bestätigt den Ansatz, Klimaschutz durch praktische Beispiele greifbar zu machen und so die Bereitschaft zur eigenen Umsetzung zu stärken.

Vom Versuchslabor bis zur Wärmepumpe

Ein Programmhöhepunkt war der Besuch der Technische Hochschule Bingen. In der dortigen Modellfabrik erläuterte Prof. Bernhard Seyfang aktuelle Forschungsansätze zur Abscheidung von CO₂ aus der Umgebungsluft sowie zur Gewinnung von Wasserstoff aus biogenen Reststoffen. Zudem stellte Daniel Niederhöfer das „Tiny House“ vor, das als Versuchslabor für verschiedene Speichertechnologien wie Batterie-, Eis- und Pufferspeicher dient.

Weitere Stationen der Tour waren die private Photovoltaikanlage des Solarbotschafters Lutz Heim, der praxisnahe Einblicke in Betrieb, Wirtschaftlichkeit und typische Herausforderungen von PV-Anlagen sowie Balkon-PV gab, sowie ein Wärmepumpenprojekt in der Binger Innenstadt. Dort stellte Wärmepumpenbotschafter Malte Thomas ein Mehrfamilienhaus mit moderner Wärmepumpentechnik und Schichtenspeicher in Kombination mit Solarthermie vor.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus, die Kombination aus Radeln und Information kam sehr gut an.

Solarbotschafter Hans Herzog radelte ebenfalls mit – aus Neugierde auf Neues, um die Möglichkeit zu nutzen, mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen und nicht zuletzt auch, um in seiner Rolle als Solarbotschafter Präsenz zu zeigen. „Es ist wichtig, die Bevölkerung bei den neuen Themen mitzunehmen, das Interesse zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, ist Herzog überzeugt.

Weitere Touren geplant

Die Organisatoren ziehen ein positives Fazit: Die Klimaradtour hat sich seit der Premiere 2021 als fest etabliertes Format bewährt, das Information, Bürgerbeteiligung und Klimaschutz auf anschauliche Weise verbindet. Worauf es bei einem solchen Format ankommt benennt Klimaschutzmanagerin Christmann: „Gute Kommunikation mit der Bürgerschaft ist entscheidend. Wichtig ist, das Wissen aus der Bürgerschaft zu nutzen, um Beratungskanäle aufzubauen und Engagierte zur Unterstützung bei der Planung einzubinden“.  

Auch nächstes Jahr wird es in Bingen wieder eine Klima-Radtour geben - thematisch ergänzt um weitere Themen und Projekte, die die Binger Bürger interessieren.